Thomas Gross berichtet vom ECC – Resume

Also, um die Berichte noch nachzureichen:
Ivo hat im Einspielen großartig gespielt – locker, fokussiert, zielsicher – alles perfekt.


Dann mit etwas Herzklopfen begonnen und 3 mal einen 9er Anwurf, wobei sie den 3. (4er Pin) leider nach rechts verlegt hat. Danach 4-fach und ich dachte: ja, das wird was.
Und trotzdem kam sie nie wirklich locker ins Laufen. Ein Durchstich dann noch und damit „nur“ 209. Die Bahnen waren generell wohl etwas schwerer als am Vortag (haben die Overall-Ergebnisse glaube ich gezeigt) und es war nicht einfach Strikeserien zu bekommen.
Nachdem nichts zwingend ausgesehen hat, haben wir dann ab der 3. Partie angefangen herumzuprobieren – ohne, dass wir damit erfolgreich waren.
Wir (Thomas und ich) haben versucht, einen besseren Eingangswinkel zu kreieren, aber dass wir ihr raten, den Ball aus einer „lower Position“ heraus zu spielen, darauf sind wir 2 Deppen auch erst Mitte der 7. Partie gekommen.
Da war dann die Reaktion etwas besser, aber auch nicht glasklar.
In der Zwischenzeit haben andere Nationen ihren Rhythmus gefunden und mächtig Druck auf sie ausgeübt.
DIe letzte Partie war symptomatisch. Spare, Doppel – 4/9. Dann 3/6/9/10 gechoppt, dann glaube ich 2 Strikes und 3 Shaker 7 – es sollte nicht sein.
Die müssen natürlich nicht fallen, die sind aber bei allen von uns schon hundertfach gefallen.
Das Ende ist bekannt – Platz 17 und selbstredend kein Anlass zum Jubel.
Man muss trotzdem sagen, dass sie sich nach so vielen Bowlingjahren im Sommer noch einmal entschlossen hat, ihr Spiel umzustellen, moderner und aggressiver zu machen, den Laufring etwas höher zu bekommen etc.. Und es hat dann eben nur zum Teil so geklappt, wie wir ihr das gewünscht haben, was aber in der Kürze der Zeit ehrlicherweise auch so realistisch war.
Aber sie wird diesen Weg weiter gehen und wird damit ihr Spiel noch einmal auf das nächste Level heben – davon bin ich überzeugt und ich sehe es ja in den vielen Trainingssequenzen – u.a. heute Vormittag.
Wir haben es beide mit einem bittersüßen Lächeln genommen, dass heute vieles wieder geklappt hat, was die letzten Tage leider verwehrt blieb.
Ich bin trotzdem sehr stolz auf meine liebe Frau.
Und da meine ich nicht das Spiel oder den Mut zur Umstellung: hier meine ich die Einstellung, mit der sie diesen Bewerb durchgezogen hat – es war beeindruckend, wie sie die Tiefen dieses Bewerbes weggesteckt hat und die ganzen 16 Spiele positiv geblieben ist.
Sie hat dafür auch zurecht viel Lob bekommen, auch von außerhalb.

Den schlechtesten Job haben mit Abstand Thomas und ich gemacht, weil wir nicht rechtzeitig erkannt haben, was geholfen hätte, und genau dafür sind wir da. Nicht fürs Abklatschen, wenns eh läuft.
Deswegen Asche auf unser Haupt, aber auch wir werden daraus lernen, das verspreche ich.

Und Freitag in der Früh hat Benjamin seine 2. Runde gespielt. Wir haben uns vorgenommen, dass wir am Anfang nicht „high flush“ anvisieren, sondern versuchen, die Gasse mehr bei 17 anspielen.
Ging ein paar Frames gut, dann hinten raus wieder 3 große Splits, wobei er sogar einen davon geräumt hat. Endergebnis 175.
Ballwechsel und im 2. Spiel gleich 244 und das hat richtig gut ausgesehen.
Damit war aber rückblickend gesehen das Pulver verschossen. Der Rest war solide, mal großartige Bälle, dann wieder blöde Fehler und es wollte kein so richtig gutes Ergebnis mehr folgen.
Es war mit keinem Ball zwingend, aber mit jedem möglich.
Er hat dann schlußendlich eine total solide 1630+ gespielt und kann glaube ich den Bewerb erhobenen Hauptes verlassen.
Es ist definitiv unter seinen Möglichkeiten, da er wirklich in jeder Phase der Serie striken kann, aber es fehlen ihm einfach die Erfahrungswerte von vielen Linkshändern mit ungewohntem Material (Urethan) und hoher Revrate, die vor ihm seine Seite beackern.
Das hat er in Ö nicht und musste daher bei vielen Anpassungen Lehrgeld zahlen. Das wird besser, wenn er sich öfter für solche Bewerbe oder andere Championships qualifiziert.

Auch Benji war immer positiv, hat sich führen und helfen lassen und unser Land vorbildlich vertreten.

Es war mir eine Ehre, diese beiden Athleten betreuen zu dürfen und sie hätten sich beide die Top 16 redlich verdient.

Jeder andere Betreuer wird das aber von seinen Schützlingen sicher auch zurecht sagen

Das wars vom ECC in Langen von meiner Seite
Euer Thomas

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